Geschichte Jungferndorf

Die erste geschichtliche Erwähnung erfuhr Cobila, wie Jungferndorf damals hies, im Jahre 1266. Cobila bedeutet soviel wie Kobelsdorf also “Dorf um einen Hof”. Im 15. Jhd. hat nach der Überlieferung eine “Familien von Koblitz” in Jungferndorf auf dem Gut gelegt. Auch hiervon könnte der Name des Dorfes “Cobila” hergeleitet sein. Einer Sage nach sollen die vier heute noch zu sehenden Figuren über dem Eingang des Schlosses jene vier Jungfrauen der Familie von Koblitz darstellen. Da jedoch weit vorher (1378) das Dorf mit Juncfrowindorf bezeichnet wurde, ist ein Zusammenhang der Namensgebung des Dorfes mit der Familie von Koblitz eher unwahrscheinlich. Jungferndorf hatte folgende Namen bzw. Schreibweisen: 1000   bereits mit Cobila erwähnt 1290   Cobula 1300   Kerbula 1378 Juncfrowindorf 1420   Cobula und Junkfrawendorf 1523   Junkfrawdorff 1594   Jungpfendorff 1608   Jungferndorf Der Name “Jungferndorf” soll nach einer Überlieferung aus dem 13.Jhd. daher kommen, weil der letzte der “Familie von Koblitz” nur Töchter hatte – somit Jungfrauen, welche das Gut übernahmen. Der heutige Name “Kobylá nad Vidnavkou” bedeutet “Kobel am (Flüsschen) Vidnavkou”. Seit 1378 wird Jungferndorf bereits so bezeichnet. In den Archiven finden sich leider keine Eintragungen im Zeitraum 1378-1509, so daß hier auch unklar ist, wie es mit den Jungfrauen weiter ging. Jungferndorf wechselte häufig den Besitzer durch Kauf, Verkauf und Vererbung. Die bekannten Besitzer waren: ca. 1500Vogt von Weidenau 1566  Nikel von Niemitz (+1594) 1594  Ernst Friedrich von Niemitz (+1607) (Sohn von Nickel) 1607  Margarethe von Niemitz geb. Schäneich (Witwe von Ernst Friedrich von Niemitz) 1611  Heinrich Niemitz (Schwager von Margarethe) 1611  Johann Mathias Wacker von Wackenfels 1665  Graf Ferdinand Max von Sprinzenstein (durch Heirat mit Tochter Wackenfels) 1670  Ferdinand Andreas Beer von Beerenberg (+1681) (Verkauf durch Catharina Schiferin, geb. von Sprinzenstein) 1686  Johanna, Polixena, Florintina Winacking geb. von Tschischwitz und Gabersdorf (+1692) 1692  Franz Erdmann von Kunitz (Sohn aus erster Ehe von Johanna) 1692  Carl Heinrich von Winacko und Wertenstein (+1708) (Witwer von Johanna) 1701  Phillip Ernnst Grafen von Holltropp 1708  Johann Leopold von Winacko 1740  Freiherr von Montbach 1762  Johann Christof von Wimmersperg 1800  Johann Ernst von Skal (+1813) durch Übergabe von Freiin von Wimmersperg an ihre Schwester und Ehefrau von Joh. Ernst 1813  Carl Cletus Freiherr von Skal und Groß-Ellguth (+1837) 1838  Ferdinand Carl Wilhelm Freiherr von Skal und Groß-Ellguth (+1879) 1879  Carl Freiherr von Skal und Groß-Ellguth (+1914) 1905  Ferdinand Freiherr von Skal und Groß-Ellguth (+ 1935) ?       Ferdinand Heinrich Karl Maria Johannes Alexander Freiherr von Skal und Groß-Ellguth (+ 1972) ab 1945   Übergang in den Besitz des tschechischen Staates durch Enteignung Historische Ereignisse: 1266  Cobila wird zu Weidenau zugewiesen 1428  Einfall der Hussiten in das Dorf. Jungferndorf musste verpfändet werden. 16.Jhd.  Produktion von Glas bis zum Anfang d. 17.Jhd. 1570  Umbau der Feste zu einem Schloß 1632  Pest-Epedemie 1676  Großbrand in Jungferndorf, bei dem alle Nebengebäude des Schlosses abbrannten 1787  Bau der Kirche des. hl. Joachim für 6000 Gulden. Das Altarbild soll vom Jesuiten-Geistlichen Ignanze Raab gemalt worden sein. 1803  Gründung der Kolonie Annaberg (Maria-Anna von Wimmersberg gab ihren Namen) 1804  Hungersnot 1817  Schule in ein anderes Privathaus verlegt 1817  Hungersnot 1829  große Flut in Jungferndorf 1829  Bau einer neuen Schule – dem heutigen Schulhaus 1832  Cholera – Epedemie 1836  Papiermühle wurde zur Mehlmühle umgebaut 1847  Hungersnot 1879  Die Schule erhält eine 2te. Klasse 1879  Hochwasser 1883  Errichtung einer Schweizerei 1885  Erhebung der Kaplanei zur Pfarrei 1885  Bau des Postamtes 1895  Bau der Bahnstation 1918  Jungferndorf beklagt 40 Gefallene 1923  Hochwasser 1928  Jungferndorf zählt 144 Häuser, Annaberg 24 1948  Zunahme der Granitverarbeitung 1976  Beseitigung der alten Häuser/Ruinen Ortes Annaberg mit anschließender Planierung 1976  Kobyla wir nach Zulova eingemeindet 1997  zweite große Flut 2000  Kobylá nad Vidnavkou hat eine Arbeitslosenquote von 22,8% 2001  Kobylá nad Vidkavkou erlangt wieder die Selbständigkeit mit einer eigenen Gemeindeverwaltung und wählt einen Bürgermeister. 2009  Hochwasser
Die Blütezeit hatte Jungferndorf mitte des 19. Jahrhunderts. Durch umfangreichen Ländereien, eine Papiermühle, eine Brauerei, drei Brennereien, eine Schweisserei, klenie Steinmetze, Getreide und Holzverarbeitung als auch die Stromerzeugung (110 Volt) war Jungferndorf wirtschaftlich gut aufgestellt. Während des II. Weltkrieges wurden südlich des Schlosses in Jungferndorf Gefangene festgehalten. Hierzu wurde ein Lager gebaut in dem Russen, Franzosen und Engländer gefangen gehalten wurden. Vor allem die Engländer wurden durch Zwangsarbeit in den nahen Steinbrüchen drangsaliert. Kurz vor Kriegsende töteten die Gefangenen die Wärter und flüchteten aus dem Lager. Zu dieser Zeit zählte Jungferndorf etwa 1100 Einwohner. Unmittelbare Kriegseinwirkungen waren Jungferndorf fremd. Es gab zwar während der Eroberung des Sudetenlandes durch die dt. Wehrmacht bei einem kleineren Scharmützel Opfer auf der tschechischen Seite, ansonsten war es in Jungferndorf aber ruhig. Nach Kriegsende wurden die deutschen Bewohner vertrieben oder verließen aus eigenen Stücken Jungferndorf. Hierzu begaben sie sich zum Ausreiselager nach Friedeberg, sofern sie nicht von sich aus auf andere Wege ausreisten. Nicht von selbst ausgereiste Deutsche (sofern sie nicht beruflich benötigt wurden), vertrieb man Richtung Westen. Auf jeden Fall wurden sie aber aus allen öffentlichen Ämtern entfernt. (Lehrer, Beamte, Polizei, Feuerwehr usw) So verlor Jungferndorf mehr als 540 Bewohner. Die freien Häuser wurden entweder geplündert und verfielen im Laufe der Jahre oder wurden entfernt (siehe: Annaberg) bzw. neu bezogen. Während früher in den Häusern mehrere Familien wohnten, lebten von nun an in so manchem Haus nur noch einzelne Familien. Die Zeit nach dem Kriege bis in die 60er Jahre hinein war durch willkürliche Übergriffe der tschechischen Polizei auf die verbliebenen Deutschen gekennzeichnet. So mancher wurde abgeholt und kam nie wieder zurück. Ebenfalls in dieser Zeit waren alle deutschstämmigen staatenlos. Später wurden sie jedoch zwangs-eingebürgert und erhielten den Paß der Tschechoslowakischen Republik. Während der Zeit des kalten Krieges bis zum Fall des eisernen Vorhangs war es den Deutschen zwar erlaubt auf Antrag in die BRD zu reisen, jedoch nur unter Voraussetzung, daß z.b. ein Partner oder die Kinder in der Tschechoslowakei zurückblieben. So wollte man eine Flucht verhindern. Seltsamerweise, denn eigentlich waren die Deutschen immer noch nicht gerade erwünscht. Die Kirche ist extrem baufällig. Außen fällt der Verputz aus großer Höhe herab und innen haben sich in der Decke schon große Risse gebildet. Im Frühjahr 2009 wurde schließlich begonnen, den Innenbereich der Kirche zu renovieren. Durch das Hochwasser im Sommer 2009 gab es aber nochmal geringfügige Schäden. Im Jahr 2012 wurden die Renovierungsarbeiten abgeschlossen. Sowohl innen als auch außen erstrahlt die Kirche in neuem Licht.
 
JahrEinw.JungferndorfEinw.Annaberg
183673998
1869824114
1890850117
191079599
1921
781110
1930984inkl. Annaberg
1939971inkl. Annaberg
1947457inkl. Annaberg
1950525inkl. Annaberg
1991494
2000496
2012418
2016404
Postkarte ca. 1930
Kirche geschmückt ca. 1930
Kirche Hl. Joachim
Uhrwerk gespendet 1910 von Baron von Skal
Das Schloss von hinten 2015
 
Schlossteich
Eingang zum Schloss
 
Eingangshalle Schloss 1940
Eingangshalle Schloss 1940
Eingangshalle im Schloss 2015 
 

Offizielle Seite der ehemaligen Jungferndorfer und Annaberger